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THE WAY IN IS THE WAY OUT

Symposium on psychedelics and alternative modes of living.

the way in is the way out‘ – ist ein teilweise englischsprachiges Symposium mit Theoretiker*innen, Künstler*innen und Musik über und vielleicht auch als kommunistische Psychedelik. Mit Beiträgen von Krõõt Jurak, Paul-Philipp Hanske, Antje Majewski, Nicholas Thoburn und gebrochene beine.

Das Symposium ist die erste, aus einem seit längerer Zeit im Dunstkreis zwischen dem Kunstverein Freiburg und dem Kunstverein Langenhagen geführten Austausch entsprungene Veranstaltung. Wahrscheinlich ausgehend von diffusen Vorstellungen und Affinitäten zu Psychedelik, anderen Modi des Zusammenlebens und einer unübersehbaren, in Mode gekommenen Hinwendung zu etwas jenseits dessen, was gegenwärtig als menschlich bezeichnet wird, entstand die Idee, sich tiefergehend mit diesem diffusen Feld zu beschäftigen.

Seit Frühjahr 2021 führen deshalb Heinrich Dietz, Michael Dobrindt, Theresa Rößler, Sebastian Stein, Lea Schürmann und Lily Wittenburg fast wöchentlich Gespräche, in denen wir uns einem weitschweifigen Austausch mit mal mehr, mal weniger erkennbaren Zielen widmen. Ein zentraler Ausgangspunkt dieser Gespräche war die Formulierung kommunistische Psychedelik. Sie stellte den Versuch dar, das Feld zwischen verschiedenen Perspektiven und Erzählungen auf und über das Psychedelische, Kommunismus, Kommunisierung oder einen kommunistischen Modus sowie die gegenseitige Durchdringung und das immer schon miteinander verbundene Werden von menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen und Materialien und was das alles mit Kunst und ästhetischer Praxis zu tun haben könnte, sicher auch nicht gänzlich zu erfassen, aber zumindest in den Blick zu nehmen.

Bisher ging es in den Gesprächen unter anderem um Gedanken und Fragen wie: Lässt sich ein Begriff von Kommunismus bzw. kommunistisch im Sinne der ursprünglichen lateinischen Bedeutungen von communis für u.a. allgemein, gemeinsam, öffentlich und nach dem Grundsatz »Alle nach ihren Fähigkeiten, alle nach ihren Bedürfnissen« als Grundlage für ein gemeinschaftliches Sein und Werden aller Lebewesen und Dinge nutzen? Können psychedelische und künstlerische Methoden dazu verhelfen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustände zu entwickeln/intensivieren, die den Umgang und das Verhältnis im Sinne dieses gemeinschaftlichen (inklusiven) Gefüges mit dem uns Umgebenden entstehen lassen – als ein anderes Verständnis vom Menschsein für die wechselseitige Durchdrungenheit und Verbundenheit des Menschlichen mit dem Nichtmenschlichen?) Wie ließen sich diese Ideen und Vorstellungen in die Praxis umsetzen, z.B. bei der Organisation und Durchführung eines Symposiums, einer Ausstellung und darüber hinaus in unser aller Alltag.

Ausgehend von diesen Gesprächen und Treffen werden außerdem zwei Ausstellungen entstehen, eine im Kunstverein Langenhagen im September 2021 und eine im Kunstverein Freiburg im April 2022. Das Symposium verstehen wir dementsprechend nicht als eine abschließende Klärung unserer Fragen und der Thematik, sondern eher als eine weitere Perspektiven, Umwege und Verflechtungen eröffnende Veranstaltung.

Wie jemand vor längerer Zeit feststellte: as always – the way in, is the way out. Oder hieß es the way out, is the way in?

 

Programm

11h Begrüßung und einleitende Worte

11h30 Paul-Philipp Hanske (München) Ekstasen der Gegenwart

13h Mittagessen

14h Video-Vortrag von Nicholas Thoburn (London/Manchester) Communist Fetishism; or, Free the Object and the Self Will Follow

15h30 Krõõt Jurak (Tallinn/Wien) Performance Therapy

16h30 Antje Majewski (Kiel/Berlin) How to talk with birds, trees, fish, shells, snakes, bulls and lions

19h Abschlussdiskussion

dazwischen und danach Live-Musik von gebrochene beine (Hamburg/Hannover)

 

Detailliertes Programm

Paul-Philipp Hanske – Ekstasen der Gegenwart

Nach anderthalb pandemischen Jahren kehrt das Leben zurück – und zwar teilweise auch ungestüm. In den Städten werden Exzesse gefeiert, schon ist die Rede von einer Post-Corona-Ekstase. Nachdem sie sich in ihrem Buch „Neues von der anderen Seite“ (Suhrkamp, 2015) mit der psychedelischen Renaissance befasst haben, widmen sich die beiden Autoren Paul-Philipp Hanske und Benedikt Sarreiter in einem neuen Buch (erscheint 2022 bei Matthes & Seitz Berlin) nun einem größeren Thema, das den Bereich der Psychedelik beinhaltet: der Rückkehr der Ekstasen. Die waren schon lange vor den Post-Corona-Partys wieder da. Das psychedelische Feld wächst seit Jahren und ist inzwischen nicht nur in der medizinischen Forschung von Interesse, sondern entwickelte sich auch zu einem Dorado für Startups. Strukturell und lebensweltlich dem nahe verwandt sind andere ekstatische Trends: etwa die neue Spiritualität, wiederentdeckter Paganismus, Phänomene wie Achtsamkeit oder Flow. Auch spielen Ekstasen in der IT-Branche eine zunehmend wichtige Rolle, Stichwort Immersion. In allen Beispielen kommt ein ekstatisches Erleben zum Tragen, das die Autoren mit einer neuen Definition zu fassen versuchen, in deren Zentrum unser Verhältnis zur Zeit steht. In seinem Vortrag stellt Paul-Philipp Hanske dieses Modell vor, zieht historische Parallelen und versucht zu begründen, wieso die Ekstasen nach Jahrhunderten der Verdrängung auf vielfältige Weise wieder zurückkehren. Er beurteilt das Phänomen als ein ambivalentes. So sehr etwa die psychedelische Enttabuisierung zu begrüßen ist, so klar ist es auch, dass sie mit einem Ausverkauf einhergeht. Auch kann man die Augen nicht davor verschließen, dass Ekstasen für (neu-)rechte Kreise anschlussfähig sind – und vielleicht schon immer waren.

Paul-Philipp Hanske, geboren 1975 in Regensburg, ist Partner bei der Agentur Nansen & Piccard (und arbeitet da unter anderem als Textchef). Zusammen mit Benedikt Sarreiter schrieb er ein Buch über die psychedelische Renaissance: „Neues von der anderen Seite“ (Suhrkamp, 2015). Als nächstes widmete er sich der mitteleuropäischen Flora: „Die Blüten der Stadt“ (Suhrkamp, 2018). Gerade arbeitet er, wieder zusammen mit Benedikt Sarreiter, an einem Buch über Ekstasen, das 2022 bei Matthes & Seitz Berlin erscheint.

Nicholas Thoburn – Communist Fetishism; or, Free the Object and the Self will Follow (Vortrag in Englisch)

Dieser Vortrag wird die Idee des „kommunistischen Fetischismus“ herauskitzeln. Nicht aber den Fetischismus der Ware, sondern Fetischismus gegen sie; bei dem Objekte, wie in Marx’ ekstatischen Beschreibung des Kommunismus, eine führende Rolle bei der „Emanzipation aller menschlichen Sinne und Eigenschaften“ spielen (sollen). Normalerweise werden Objekte im Marxismus nicht so verstanden, denn der Marxismus geht meistens eher asketisch mit dem Objekt um – als etwas, das zugunsten seiner Nützlichkeit und der vorherrschenden Ordnung von jeglichen irrationalen und ablenkenden Eigenschaften befreit werden muss. In Anlehnung an die russisch-konstruktivistischen Vorstellungen des Objekts als „Genosse“ und Walter Benjamins Gebrauchswertkritik wird der Vortrag untersuchen, wie Objekte zur Abschaffung des begrenzten “liberalen” Selbst beitragen können, dessen „Freiheit“, wie Marx eindrücklich formuliert, die des „begrenzten, auf sich selbst beschränkten Individuums“ ist. Der Vortrag wird eine Reihe unterschiedlicher Beispiele des kommunistischen Fetischismus aufgreifen, wie etwa das Büchersammeln, illegal produzierte „Homers“, die Schändungen von Denkmälern oder Plünderungen.

Nicholas Thoburn ist Dozent für Soziologie an der University of Manchester. Er schreibt über experimentelles Publizieren, politische Theorie, soziale Bewegungen und Architektur. Er ist Autor von Anti-Book: On the Art and Politics of Radical Publishing (2016) und Deleuze, Marx and Politics (2003). Derzeit schreibt er ein Buch über die Wohnsiedlung Robin Hood Gardens im Osten Londons.

Krõõt Juurak – Performance Therapy: 03.07.2021

Krõõt Juurak wurde heute vor 40 Jahren in Tallinn, UdSSR, Sowjetestland geboren. Mit diesem Vortrag versucht sie zusammenzufassen, was seitdem passiert ist.

Performance Therapy ist eine Reihe von Arbeiten, die den Therapiegedanken hinterfragen und gleichzeitig Performative Therapie und Therapeutische Performance zu bejahen, neu zu erfinden und zu praktizieren. Während des gesamten Prozesses taucht immer wieder die Frage auf, ob eine bestimmte Methode therapeutisch für den Künstler/Anwender oder für das Publikum oder beide oder keinen ist. Dieser hybride und teilweise widersprüchliche Prozess selbst ist performative Forschung, die danach strebt, ein Nährboden für den planetarischen somatischen Kommunismus zu werden.

Krõõt Juurak (1981 Tallinn) ist eine in Wien lebende Künstlerin und Performerin, deren Aufführungen sich sowohl an ein menschliches als auch an ein nichtmenschliches Publikum richten. Sie absolvierte ihr Studium in Tanz und Choreografie an der ArtEz, Arnhem und erwarb einen Master of Fine Arts am Sandberg Institute in Amsterdam. Ihre Arbeit umfasst Präsentationen, Texte, Workshops, Launen und Konflikte. Krõõt Juurak zeigte ihre Arbeiten in und außerhalb Europas, darunter Mindaugas Triennial, Zentrum für zeitgenössische Kunst (CAC) (Vilnius, 2012); ImPulsTanz; de Appel (Amsterdam, 2012); CIAP Hasselt (Belgien, 2011); Tallinn Art Hall (2009); und deSingel (Antwerpen); a.o. Sie hat Performances und performative Settings geschaffen wie u. a. Bad Mood, Look Look (mit Anne Juren), Once Upon, Ride the Wave Dude (mit Mårten Spångberg), Animal Jokes (for Animals) und Performances for Pets (beide mit Alex Bailey).

kr66t.wordpress.com

Antje Majewski – How to talk to birds, trees, fish, shells, snakes, bulls and lions

Antje Majewski spricht über die gleichnamige Ausstellung, die 2018 im Hamburger Bahnhof stattgefunden hat. Das von Antje Majewski initiierte Projekt basierte auf vielen gemeinsamen Erlebnissen und Erfahrungen der Künstler*innen und Kuratorinnen. Die künstlerischen Arbeiten erzählten von Ökosystemen und Territorien, die bedroht sind – durch Dämme, Gentrifizierung oder Raubbau. Sie erzählen von Ökologie als einem Haushalt, in dem Menschen und nicht-menschliche Lebewesen gemeinsam wohnen, so dass alles, was den anderen Lebewesen geschieht, auch Rückwirkungen auf die Menschen hat. Wie können wir in vielen Sprachen über das Sprechen, was uns alle gemeinschaftlich betrifft? Und wie können wir zuhören lernen?

Antje Majewski ist Künstlerin, Kuratorin und Professorin für Malerei an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. In Ihrer künstlerischen und Kuratorischen Praxis spielt die Kooperation mit menschlichen wie nicht-menschlichen Akteurinnen eine große Rolle. Über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten dieser Zusammenarbeit tauscht sie sich gezielt mit Partnerinnen weltweit aus. Von diesen Erfahrungen ausgehend hat sie unter anderem die Ausstellungen und Projekte How to talk with birds, trees, fish, shells, snakes, bulls and lions (2019) im Hamburger Bahnhof in Berlin; Die Gimel-Welt. Wie die Objekte zum Sprechen kommen (2011) im Kunsthaus Graz oder Der Wald / The Forest (2019) in der Galerie Neugerriemschneider in Berlin umgesetzt.

antjemajewski.de

gebrochene beine – Interludes, Atmospheres and Barmusik

tonight, alright: dieses Mal erwartet Sie erneut eine post-exotische Soirée bevölkert von controllers, Masken, Bässen, Effekten, Samples, Zitaten, puredata, Alexa, Saxophonsounds, Gesängen, Elefanten und Flamingos, einer gewissen Lust am Spektakel, aber auch dessen Gegenteil. Kurz: sie bluten und haben gebrochene beine. And please remember: wenn wir nicht performen, hört Ihr auch nicht zu.

gebrochenebeine.org 

***

Das Symposium findet in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Freiburg statt.
Es ist größzügig vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert.
Wir danken Transition Town Hannover für die Unterstützung bei der Organisation.

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