NTS Radio ist ein globales Projekt mit sechs Millionen Hörer*innen pro Monat und 600 Sendungen aus sechzig Städten weltweit. Auf eine Weise ist NTS ein zeitgenössisches Phänomen, weil es Funktionen anderer Streaming-Plattformen und sozialer Medien integriert. Und doch erinnert NTS an eine Zeit vor der Verflachung der Kultur, als wir uns Leuten anvertrauten, die ihrer Leidenschaft folgten. Hier eine Argumentation, warum NTS und Geschmack in Zeiten von KI-Slop so wichtig sind.
Nicht heute, Satan
Wie es ist, NTS zu nutzen
Es war der Morgen der Rapture und ich fuhr gerade auf der Autobahn, während die Early Bird Show auf NTS lief. Bitter Babe war als Gast-DJane eingeladen und spielte Hildur Guðnadóttirs Elevation; ein langes, unheilvolles Cellostück, dessen dröhnendes Glissando fast wie die Ankündigung des Weltuntergangs klang. Und doch fühlte sich die gleißende Sonne auf der Autobahn keineswegs wie das Ende der Welt an, ebenso wenig wie die rot leuchtenden Bäume an diesem klaren Herbstmorgen. Als der Track zu Ende war, meldete sich Bitter Babes verschlafene Stimme: „Für diese Sendung habe ich mich von Carl Jungs Buch Der Mensch und seine Symbole inspirieren lassen.“ Sie lud die Hörer*innen ein, ihre Träume im Chat zu teilen. Und als ich die Ausfahrt nahm, musste ich plötzlich an das AM-Talkradio denken, wo Anrufer*innen von Jesus und der Erlösung schwärmen.
Ich parkte am Schwimmbad hinter der Müllverbrennungsanlage der Stadt Wuppertal. Während ich meine Bahnen zog, wanderten meine Gedanken zurück zur Einladung. Wovon träumt man*, wenn alles bald vorbei ist?
Als ich wieder im Auto saß, schaltete ich das Radio ein und Bitter Babe spielte Asa-Chang & Junrays Hana, einen atemberaubenden, zersplitterten Track, den ich in der NTS-App gespeichert hatte. Dann öffnete ich den NTS Discord, wo sich Bobby D, eleen, jambéi, Moanerette, Neko und Teaspoons Galore locker über Nikola Tesla, Albträume und Buchempfehlungen zum Thema luzides Träumen unterhielten. Bitter Babe schrieb: „Das Einzige, was ich über meinen Traum letzte Nacht sagen kann, ist, dass ich nicht empfehlen kann, nach dem Anhören eines Podcasts über Kannibalismus einzuschlafen.“ Ich musste lachen. Auch weil die RaptureTok offensichtlich ein Scherz war. Das war nicht die Apokalypse. Es war nur ein weiterer Tag der Offenbarungen auf NTS.

Fig.1/2
Nuts To Soup
Eine Fallstudie zur Geschmacksbildung (von A bis Z)
Auf der Heimfahrt kam mir plötzlich der Gedanke, dass es vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen wäre, seine Zeit fast ausschließlich einer „Plattform“ zu widmen, die nur zwei Live-Sender und ein Archiv vergangener Sendungen bietet. Im Zeitalter von Napster und LimeWire klang die Vorstellung, die Musik der Welt an einem einzigen digitalen Ort zu versammeln, wie ein mythisches El Dorado, ein gelobtes Land unendlicher Entdeckungen. Dieser Traum des Internets der Nullerjahre ist längst Realität geworden, Streaming-Plattformen bieten wirklich fast alles, was man sich vorstellen kann. Doch genau das macht die Auswahl zur Qual: unübersichtlich, schwer zu navigieren, unmöglich zu überblicken. NTS anzuhören fühlt sich dagegen menschlich und lebendig an. Spotify kommt mir manchmal vor wie der Einkauf in einem riesigen Supermarkt in einem fremden Land: Ich stehe vor zwölf Ketchup- und zwanzig Senfsorten und muss mich bei jedem Produkt auf meiner Liste zwingen, eine Entscheidung zu treffen. Das Versprechen grenzenloser Auswahl endet oft in Lähmung. Schon das Wort „Streaming“ klingt, als würde man ziel- und willenlos einen Fluss hinab treiben.
Wenn ich an meinen Morgen mit Bitter Babe auf NTS zurückdenke, bin ich beeindruckt von den musikalischen Herausforderungen, vor die sie mich stellte und von meiner Freude, sie auf dieser Reise zu begleiten. Es fühlte sich an, als würde ich in eine Welt eingeführt, die ich von selbst vielleicht nie betreten hätte. Nichts bestimmte die Richtung. Ich war stattdessen eingeladen, Teil dieser Welt zu sein. Und irgendwie bin ich nach diesem Gefühl süchtig geworden. Ich bin total fasziniert von Sendungen wie „Dimension Door“, die Dungeon Synth spielen – ein Subgenre und Mix aus Black Metal und elektronischer Musik, das mir bis dahin völlig unbekannt war. Der Moderator William Dickson erklärte, dass die Sendung als Begleitung für Dungeons & Dragons-Sessions gedacht ist und auch wenn ich kein Dungeon-Master bin, würfle ich während des Zuhörens gedanklich mit einem D20.
Wahrscheinlich bin ich mit dieser Begeisterung nicht alleine, auch wenn andere Hörer*innen vielleicht andere Sender lieben. Heute ist NTS ein globales Projekt mit sechs Millionen monatlichen Hörer*innen. Rund um die Uhr werden 600 Sendungen aus Studios in London, Manchester und Los Angeles sowie aus sechzig Städten weltweit ausgestrahlt. Hier findet man* Mikro-Genres des Ambient, Techno, Dub, Metal, Rock – und alles, was man* sich sonst so vorstellen kann. Alle Sendungen werden von DJs ausgewählt oder vom NTS-Team kuratiert. „NTS Guide To“ und „In Focus“ widmen sich Cowpunk und Breakcore oder spüren früheren Veröffentlichungen von Death Grips, SOPHIE und Burial nach.
Solche Sendungen sind kein Zufallsprodukt. Wie Katherine Rye Jewell in Live from the Underground: A History of College Radio (2023) zeigt, entstanden in den USA College-Radiosender, die diverse Gemeinschaften vernetzten und den kulturellen Pluralismus des Landes widerspiegelten. In Großbritannien gingen Piratensender wie Radio Caroline und die Dread Broadcasting Corporation illegal auf Sendung. Sie wollten Subkulturen eine Stimme geben, die der Mainstream ignorierte. Radio Caroline spielte aus internationalen Gewässern die Beatles und die Rolling Stones und prägte so die Popkultur nachhaltig. Die DBC wiederum brachte Reggae, Soul und Funk ins Programm. Wie der Journalist Lloyd Bradley es ausdrückt: „Ohne DBC gäbe es keine Dancehall-basierten schwarze Piratensender; ohne Dancehall basierte schwarze Piratensender keine Entwicklung und Verbreitung von Jungle, Grime und Dubstep; ohne Jungle, Grime und Dubstep kein Radio 1Xtra; und ohne Radio 1Xtra wäre selbstdefinierte Black Music heute kein selbstverständlicher Teil der britischen Mainstream-Kultur.“
Es ist einfacher Werbung zu vermarkten und zu schalten, wenn die Sendung ein klares Profil hat. Aber das bedeutet, dass man keinen Verrückten ins Studio lassen und einfach sagen kann: ‚Mach, was du willst.‘
– Femi Adeyemi
Für mich fühlt sich NTS an wie das uneheliche Kind von College-Radio und den Piratensendern. Es ist frei in der Form und informativ, wie die amerikanische Version, schafft aber gleichzeitig einen kulturellen Raum außerhalb der Mainstream-Kultur, wie die britische Version. Und doch wird NTS stärker kuratiert, während es gleichzeitig frei in der Form bleibt. Der Gründer von NTS, Femi Adeyemi, erzählte mir, dass bei NTS zu Beginn im Jahr 2011 „alles gespielt wurde. Alles. Manches war ziemlich schwer zugänglich, aber das machte die einzigartige Ästhetik aus. Es gab nichts Vergleichbares.“
NTS findet Anklang bei den Menschen, weil die Moderator*innen, anders als in klassischen Radioprogrammen, nicht nur Musik spielen, sondern ihre persönliche Begeisterung und ihren individuellen Geschmack teilen. „Es gibt einen Grund, warum die meisten Sender generische Playlists haben oder die gleiche Art von Musik spielen“, sagt Adeyemi. „Es ist einfacher, Werbung zu vermarkten und zu schalten, wenn die Sendung ein klares Profil hat. Aber das bedeutet, dass man* keinen Verrückten ins Studio lassen und einfach sagen kann: ‚Mach, was du willst.‘ Man* verliert Werbekunden, verstößt gegen Vorschriften, oder wird von einer Aufsichtsbehörde mit einer Geldstrafe belegt.“
Aber genau dieses Risiko ist der springende Punkt. NTS schreibt den DJs nicht vor, was sie spielen sollen. Die Moderator*innen können alles streamen, von Dungeon Synth bis hin zu türkischer Musik aus den 70er Jahren. Sie können ihre Communities oder ihre eigenen Tracks vorstellen oder sogar von einem Boot vor der Insel Santa Catalina streamen und frei über Wind und Wetter sprechen. Sie können zeigen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist. „Das ist viel mehr als nur Radio“, betont Adeyemi. „Unsere Mission ist es, gut für die Musik zu sein.
Fig.3
Nie wieder dasselbe
Ein Plädoyer für Menschen
Einige Wochen vor der Offenbarung saß ich in einem Langstreckenflugzeug fest und wollte mir die Zeit mit Musik vertreiben. Ohne Internet blieb mir NTS verwehrt und ich musste feststellen, dass ich meinen Spotify-Download-Ordner seit einer Ewigkeit nicht mehr aufgeräumt habe. Was ich dort fand, waren laute oder schrille Alben von Animal Collective, Boris, Gang Gang Dance und Liars – alles zu heftig, um dabei einzuschlafen. Immerhin war Radioheads „Kid A Mnesia“ dabei, ein Klassiker, wenn auch experimenteller. Ich klickte auf das Album und während die vertrauten Klänge aus meinen Kopfhörern drangen, scrollte ich nach unten und landete versehentlich im Bereich „Das könnte Ihnen auch gefallen“. Schon die bloße Ansicht der Vorschläge fühlte sich wie eine Beleidigung an. Nein, ich höre weder Fleetwood Mac noch Mazzy Star und nach Idioteque kommt bei mir ganz sicher weder Coldplay noch Jimmy Eat World.
Als ich in meinem Hotelzimmer in Osaka ankam, hielt mich der Jetlag auf europäischer Zeit. Aus Langeweile klickte ich mich mitten in der Nacht durch die Playlists, die „für Shane Anderson gemacht” waren. Einige waren nicht ganz so schlimm, aber die meisten waren voll mit den immergleichen, seelenlosen Hits von Bands, die ich schon bei ihrer Veröffentlichung nicht ausstehen konnte.
Ich war etwas überrascht. Spotifys Algorithmus soll deine Hörgewohnheiten analysieren – was du überspringst, speicherst, wiederholst – und diese Muster mit denen anderer Nutzer*innen vergleichen, die einen ähnlichen Geschmack haben. Um die Empfehlungen zu verfeinern, übernahm Spotify 2017 das KI-Startup Niland und setzt seitdem auf Large Language Models (LLMs), um „kontextbezogene Empfehlungen durch personalisierte Erzählungen“ zu generieren, wie es 2024 im hauseigenen Forschungsblog hieß. Das schwedische Technologieunternehmen verkauft uns das als Fortschritt. Doch in der Praxis führt diese KI-gesteuerte Personalisierung dazu, dass du in einem konventionellen Hörraum gefangen bist. Der Algorithmus schreibt vor, was einem gefallen soll. Wenn Playlists von Engagement-Metriken und Vorhersage-Modellen zusammengestellt werden, lohnt sich das Experimentieren kaum noch. Ein einziges dissonantes Stück könnte schließlich die Hörsession, oder gar die Hörgewohnheit, abrupt beenden.
Meiner Erfahrung nach ist Spotifys KI-DJ, der 2023 eingeführt wurde, noch schlimmer. Er verspricht einen Mix aus bekannten Lieblingstiteln und neuen Entdeckungen zu liefern, maßgeschneidert für dein Hörprofil. Ich weiß nicht, wie es bei anderen ist, aber meiner serviert mir meistens Schrott von Künstler*innen, von denen ich noch nie gehört habe. An diesem Abend in Osaka fiel mir zum Beispiel auf, dass fast alle Künstler*innen in der Warteschlange weniger als 20.000 monatliche Hörer*innen hatten. Darunter die nicht googlebare Band Abondance (mein erster Treffer war immer die Bibel auf Französisch). Spotify listet Abondances’ auffällig-unauffälliges Trip-Hop-Album Merci Dieu (2023). Aber egal wie oft ich meine Suchanfragen änderte, stieß ich nur auf eine andere Band desselben Namens, deren Instagram-Bio behauptet, sie stehe bei Boom Records unter Vertrag, einem „datengesteuerten Vertriebslabel, das Künstler*innen durch bewährte Strategien und Technologien unterstützt.“ Vielleicht gibt es Abondance wirklich. Oder vielleicht handelt es sich um stock music mit einem generierten Cover. So oder so, das Gefühl war unheimlich. Es fühlte sich an wie die Begegnung mit einem Geist.
Die Tatsache, dass ich nichts über die Gruppe finden konnte, passt zu dem was Liz Pelly, Autorin von „Mood Machine: The Rise of Spotify and the Costs of the Perfect Playlist“ (2025), in einem Harper's-Artikel über Spotify beschreibt. Ihrer Analyse zufolge füllt die Plattform „ihre beliebtesten Playlists mit stock music (...), die unter Pseudonymen veröffentlicht wird – von sogenannten Ghost- oder Fake-Künstler*innen – offenbar mit dem Ziel, Lizenzgebühren zu sparen.” Pelly zitiert David Turner, der anhand einer Datenanalyse zeigte, dass in Spotifys Playlist „Ambient Chill“ kaum noch bekannte Künstler wie Brian Eno, Bibio und Jon Hopkins enthalten sind. Ihre Musik wurde durch Titel von Epidemic Sound ersetzt, einem schwedischen Unternehmen, das eine Abonnement-basierte Bibliothek mit Produktionsmusik anbietet. Abondance im Überfluss.
Dass Spotify stillschweigend einige der berühmtesten Künstler*innen der Welt austauscht, um Lizenzgebühren zu sparen, wäre komisch, wenn es nicht so traurig wäre. Musiker*innen verdienen durchschnittlich zwischen 0,0003 und 0,0005 US-Dollar pro Stream, was bedeutet, dass man bei einer Million Streams seines Songs um 3.000 bis 5.000 US-Dollar reicher ist. Dennoch berichtete NPR im August 2025, wie Songs der KI-Band The Velvet Sundown „in den Discover Weekly-Feeds der Spotify-Nutzer*innen, sowie in Playlisten von Drittanbieter*innen mit Hunderttausenden von Followern landeten. Innerhalb weniger Wochen erzielte die Band Millionen von Streams.“
„Im Zeitalter von KI sind Fragen nach Urheberschaft, Identität und der Zukunft der Musik keine Spielerei; es geht darum, wie viel Raum für menschliche Intentionen, Vergütung und Fürsorge bleibt.“
Offenbar beanspruchen echte Menschen Urheberschaft an der Musik von The Velvet Sundown, und geben gleichzeitig zu, dass sie mit Hilfe von KI erstellt wurde. In einem inzwischen gelöschten Instagram-Post erklärte die Band, das Projekt sei „kein Trick, sondern ein Spiegel: eine fortlaufende künstlerische Provokation, die die Grenzen von Urheberschaft, Identität und der Zukunft der Musik im Zeitalter der KI ausloten will.“Diese Provokation scheint etwas übertrieben (und klingt zudem nach der beliebten „Es ist kein X, sondern ein Y“-Formel, die LLMs so lieben), wenn man bedenkt, dass es sich bei der Musik um nostalgiegetränkte Americana im Stil von The Band handelt. Und doch traf mich die Aussage von The Velvet Sundown ins Mark. Im Zeitalter von KI sind Fragen der Urheberschaft, Identität und Zukunft der Musik keine Spielerei; es geht darum, wie viel Raum für menschliche Intentionen, Vergütung und Fürsorge noch bleibt. Wie wir uns zueinander verhalten – zur Kunst, zur Arbeit, untereinander – scheint eine der drängendsten philosophischen, politischen und kulturellen Fragen unserer Zeit zu sein.
Aus Neugierde beschloss ich, mich an Suno AI und Udio zu versuchen, zwei großen Technologieunternehmen, mit denen man* Musik generieren kann. Ich wollte sehen, ob ich etwas Bedeutungsvolles, Ungewöhnliches oder zumindest Komisches schaffen könnte – kurz: etwas, das aufgrund seiner Absurdität oder Schrägheit garantiert nicht auf einer Spotify-KI-DJ-Playlist landen würde. Aus einer Laune heraus gab ich Suno folgende Vorgabe: „Erstelle einen seltsamen Song über das Traktorfahren im Stil einer lauten Industrial-Band der 80ern. Er soll fragmentarisch sein und unerwartete Elemente sowie einen Hund enthalten, der in Polyrhythmen bellt.“
Das Ergebnis? „Tractor Death Cult“.
[Verse]: Grease teeth grind / Iron lung cough / World ends now / Underneath the plow. [Prechorus]: Hydraulic scream / A metal dream. [Chorus]: Tractor Death Cult / Tractor Death Cult / Engines burn / No return […]
Musikalisch klangen die verschiedenen Versionen, die das Programm erstellt hatte, als hätten sich Korn, NIN und Megadeth in einem Altersheim getroffen und beschlossen, Teile ihrer alten Hits aneinanderzureihen. Mit einer Trent Reznor-haften Stimme über Rap-Rock-Drums und Metal-Riffs – ich würde nicht sagen, dass es unhörbar war, schließlich habe ich es mir angehört, aber es machte mich sehr, sehr traurig. Die KI hatte alles verflacht und das Noise-Potenzial in einen glatten Power-Rock-Jam verwandelt. Udio schnitt nicht besser ab. Dort bekam ich „The Tractor's Song“ angeboten, der klang, als würde Ian Curtis unter Antidepressiva über eine abgelehnte B-Seite von The Magnetic Fields singen – und weitere Songs, die zu belanglos sind, um darüber zu schreiben.
Keine weiteren prompts konnten die beiden KI-Plattformen dazu bringen auch nur annähernd so zu klingen wie Negativlands „Escape From Noise“ (1987), das mit einem Track beginnt, der Datenanalyse für das Radio parodiert. Immerhin generierte Udio zwei Songs, die beinahe wie ein Dubstep-Track von Aphex Twin klangen. Aber die Ergebnisse („Symphony of Strife” und „Whirling Chaos”) klangen unheimlich ähnlich. Als ich sie direkt hintereinander hörte, fiel mir vor allem auf, wie identisch ihr Timing war und wie makellos alles klang, obwohl die Texte aus Nonsenszeilen wie „farblose grüne Ideen schlafen wütend“ bestanden.
„KI scheint unfähig zu sein, Wabi-Sabi zu begreifen: jene Haltung, die sterile Perfektion bewusst zurückweist.“
Es gab keine Reibung, keinen Schmutz und schon gar keine Hunde, die in Polyrhythmen bellten. Zumindest derzeit scheint KI unfähig zu sein Wabi-Sabi zu begreifen – jene Haltung, die sterile Perfektion bewusst zurückweist. Das erinnert mich an Sen no Rikyū, einen Teemeister aus dem 16. Jahrhundert: Nachdem ein Schüler einen Garten makellos gefegt hatte, schüttelte er einen Baum, damit der Raum nicht zu makellos wirkte. Das Leben ist schmutzig, und selbst wenn Sauberkeit gleich nach Gottesfurcht kommt, wer Gott ganz nahe ist, liegt eben meist schon unter der Erde.
Aber was soll man tun? Aus Protest die Plattform massenhaft verlassen? Ich glaube nicht, dass das nötig ist und ich werde es ganz sicher nicht tun. Ich höre immer noch gerne ganze Alben, wie sie es auf Plattformen wie NTS nicht gibt. Dennoch sollten wir uns darüber im Klaren sein, was Spotify ist und was es will. Die Mitbegründer Daniel Ek und Martin Lorentzon sind keine Musiker oder DJs. Sie haben eine Plattform geschaffen, die Aufmerksamkeit über Abonnements und Werbung monetarisiert, fast wie Technofeudalherren. Spotify inszeniert sich als Utopie grenzenloser Wahlfreiheit, agiert jedoch wie jedes andere Tech-Unternehmen: Kundenbindung optimieren, Kosten senken, expandieren. Nach der Auszahlung von Spotify an die Musikindustrie im Jahr 2024, meldete das Unternehmen einen Gewinn von 1,37 Milliarden Dollar, Tendenz steigend. Als Ek kürzlich bekannt gab, dass er als CEO zurücktreten und Executive Chairman werden würde – um, wie er es ausdrückte, „vom Spieler zum Trainer“ zu werden –, wurde berichtet, dass er ein Vermögen von 7,95 Milliarden US-Dollar angehäuft hatte. Mit diesem Geld hat er massiv in das in Berlin ansässige KI-Militärunternehmen Helsing investiert. Zum Vergleich, hier die weniger als zehn Musiker*innen, die jemals Milliardär*innen geworden sind: Selena Gomez, Bruce Springsteen, Paul McCartney, Taylor Swift, Rihanna, Jay-Z, Beyoncé und Jimmy Buffett.
Udio ist übrigens wirklich gut darin, Musik zu machen, die wie Jimmy Buffett klingt.

Fig.4/5
Nicht schlecht
Warum Geschmack wichtig ist
„Geschmack ist in erster Linie Abneigung, Ekel und instinktive Intoleranz gegenüber dem Geschmack anderer.“ Diese Zeilen schrieb der Soziologe Pierre Bourdieu in seiner Abhandlung Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft (1979) auf der Grundlage seiner ethnografischen Forschungen in Paris in den 1960er und 1970er Jahren. In dem Buch argumentiert Bourdieu, dass Geschmack nicht persönlich, sondern vielmehr ein Spiegelbild der sozialen Klasse ist. Kulturelle Eliten entscheiden, was zählt, und die ungebildeten Massen sind gezwungen zu folgen. Mit anderen Worten: Die Elite reproduziert ihre Dominanz, indem sie definiert, was als „guter“ Geschmack gilt. Für Bourdieu haften Geschmack also Blutspuren des Klassenkampfs an. Geschmack ist im Grunde genommen Gewalt.
Bourdieu schrieb diese Worte vor fast fünfzig Jahren und ich frage mich, ob sie uns heute noch als Kompass dienen können. Die Argumentation scheint an so etwas wie eine Kultur im Singular zu glauben, was in unserer zunehmend fragmentierten Welt nicht mehr ganz zutrifft. Verschiedene Kunstdisziplinen wirken heute weniger miteinander verbunden als noch vor fünfzig Jahren (man denke nur an die zahlreichen Kooperationen im New York der 70er Jahre). Entwicklungen in einer Disziplin haben nicht zwangsweise eine Auswirkung auf eine andere. Kurz nach der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises telefonierte ich mit einem*r befreundeten Tänzer*in und erwähnte, dass László Krasznahorkai gewonnen hatte. Die Antwort: „Wer?“ - Wir sind alle so sehr in unsere eigenen Isolationskammern eingeschlossen, dass wir zunehmend von Kulturen im Plural sprechen müssen.
Hochkultur wirkt in vielerlei Hinsicht wie ein Nischengenre, geschätzt vor allem von Menschen, die BPA-freie Wasserflaschen in Jutebeuteln mit sich herumtragen. Statt sich an historisch bedeutende Kulturinstitutionen zu wenden, um Inspiration oder Unterhaltung zu finden, hat sich ein Großteil der Welt den Videospielen zugewandt. Mehr als 3,32 Milliarden Menschen spielen heute Videospiele, und der Markt hat derzeit einen Wert von 522,46 Milliarden US-Dollar, was ihn zur größten Unterhaltungsindustrie macht.
Hat die Hochkultur an Bedeutung verloren, weil sie so stark kodifiziert wurde? Dieser Gedanke kam mir kürzlich auf einer Pressereise nach Helsinki, bei der wir die gehobene Gastronomie der Stadt kennenlernen sollten. Dort probierten wir einen Teller nach dem anderen, von winzigen weißen Fischen auf Kräutercreme und Butter bis hin zu Zwiebelschaum. Alles entsprach den Regeln der Haute Cuisine, und doch schmeckte erstaunlich vieles gleich. Die überbordende Reichhaltigkeit und die wiederholte Verwendung essbarer Blumen verursachten mir Bauchschmerzen. Das einzige unvergessliche Gericht, das ich dort hatte, war im Aoi, das mir der Food-Journalist Kenneth Nars empfohlen hatte. Als das Pfannkuchendessert serviert wurde, sah Nars mich an und sagte: „Wenn sie sich trauen, nur zwei Farben zu verwenden, weiß man, dass es gut sein wird.“ Was er sagen wollte: Der Koch hatte echten Geschmack.
Das soll nicht heißen, dass der große Bourdieu völlig falsch liegt. Geschmack ist nach wie vor ein kultureller Signifikant und hat immer noch die Kraft, eine Person als zu einer Gruppe zugehörig zu kennzeichnen, auch wenn letztere sich mehr denn je überschneiden und widersprechen. Und Geschmack ist wichtig. Vielleicht sogar wichtiger als zuvor, wenn man bedenkt, dass man mit dem gleichen Aufwand, den man für einen Shitpost benötigt, einen banalen Track über Traktoren erstellen kann.
Tatsächlich meinte Krithika Shankarraman, ehemalige Vizepräsidentin für Marketing bei OpenAI und jetzt bei Thrive Capital: „Geschmack wird im Zeitalter der KI zu einem Unterscheidungsmerkmal werden, weil es so viel Unsinn geben wird, der von der KI generiert wird.“ Abgesehen von ihrer mutmaßlichen Absicht, Unternehmen zu aggressiven Taktiken zu raten, bleibt festzuhalten, dass Geschmack nicht algorithmisch ist und sich noch nicht durch Datenverarbeitung simulieren lässt. Geschmack entsteht durch die Auseinandersetzung mit der Welt und entwickelt sich mit jedem Film, den man selbst langweilig findet, obwohl alle anderen ihn feiern, und mit jedem ohrenbetäubenden J-Core-Set, das dir ein idiotisches Strahlen auf das Gesicht zaubert.
„Im Zeitalter der KI hat Geschmack viel mehr mit Intimität zu tun.“
Bourdieu hatte Recht: Geschmack bedeutet, Unterschiede zu machen. Es geht um aktive Kuration auf der Grundlage von Urteilsvermögen. Mit anderen Worten: Geschmack hat mit Persönlichkeit zu tun. Es hängt davon ab, wer man ist, wo man aufgewachsen ist und welchen Einflüssen man ausgesetzt war. Es geht darum, einen Standpunkt zu entwickeln und unsere Widersprüche mit unserem kritischen Verstand, unserer emotionalen Intelligenz und unseren Lebenserfahrungen in der Welt um uns herum zu konfrontieren. Wie das Motto von NTS lautet: „Don't Assume“ (Verlass Dich nicht auf Annahmen). Entdecke und pflege Interessen, finde eine Gemeinschaft.
Und jetzt, da die Kultur so stark ausdifferenziert ist, scheint mir das Teilen von Geschmack einer der letzten vereinigenden Aspekte des Lebens zu sein, etwas, das uns davor bewahrt, zu Robotern zu werden. Für mich ist NTS ein gutes Beispiel dafür. Es bringt Menschen aus aller Welt zusammen, um nicht-kommerzielle Musik und eine Vielzahl von Kulturen zu entdecken. Kulturen aus verschiedenen Ländern, Kulturen innerhalb der Welt, in der ich lebe und Kulturen, die gerade erst entstehen. Darüber hinaus schafft NTS einen gemeinsamen Raum, eine Gemeinschaft mit geteilten Vorlieben, die sich etwa auf Discord fortsetzt. Dort tauschen sich Hörer*innen aus Seoul, São Paulo oder Manchester aus, teilen ein Klangerlebnis und chatten in einem modernen Äquivalent von Plattenläden. Geschmack ist also, anders als Bourdieu annahm, nicht nur eine Frage von Hierarchie. Im Zeitalter der KI hat Geschmack viel mehr mit Intimität zu tun. Geschmack muss nicht nur Unterschiede schaffen, sondern kann uns auch zusammenbringen.
Angesichts der rasanten Entwicklung von KI (man denke nur an Will Smith, der Spaghetti isst), ist es durchaus vorstellbar, dass LLMs eines Tages so etwas wie einen eigenen „Geschmack“ entwickeln und sogar unsere Geschmacksbildung beeinflussen. Das macht mir aber keine großen Sorgen. Wir haben gelernt, mit technologischen Veränderungen umzugehen, die ebenfalls als apokalyptisch inszeniert wurden. Vielleicht besteht der einzige Weg, menschlich zu bleiben, darin, dem menschlich Kuratierten den Vorzug vor algorithmischer Bequemlichkeit zu geben – weiterhin nach den Bitter Babes oder den Dimension Door Dungeon Mastern zu suchen. Nach jenen also, die noch immer auf Menschen basierende Welten erschaffen.
Sie erinnern uns daran, dass Träumen Arbeit ist und dass es sinnvoller ist, Zeit in Leidenschaft zu investieren, als sich über einen mögliche Hype den Kopf zu zerbrechen. Er kommt, wenn er kommt.
Fig.6
Never boring Totally fun Sexy forever
BONUS-TRACK: Was NTS-Residents erzählen
Shane Anderson: Warum NTS? Oder erzähl mir etwas über den Namen deiner Show und was du spielst.
DJ: Chief Commander Dr. Dare Balogun
Show: Dare Balogun (u.a. Highlife, Soukous, Afrobeat)
Ich bin seit Juli 2025 Resident-DJ, obwohl ich schon seit 2023 einige Male als Gast bei dem Sender aufgelegt habe. Ich mache das, weil ich die Platten, die ich spiele, sehr liebe und sie mit anderen teilen möchte. Mein Schwerpunkt liegt auf traditioneller afrikanischer Musik und den kulturellen Kontexten, die sie umgeben. Für mich geht es nicht nur darum, Titel zu spielen, sondern auch zu erklären, warum sie wichtig sind. Es geht mir darum, meine eigene Kultur zu bewahren und die Zuhörer*innen daran teilhaben zu lassen.
Im Kern geht es in der Sendung um gemeinsames Hören, denn dafür war diese Musik schon immer gedacht. Aber es geht auch darum ein Gefühl zu teilen. Wenn ich Highlife, Tuareg-Rock, Makossa, Soukous oder eines der unzähligen anderen Genres spiele, die Afrika hervorgebracht hat, empfinde ich Freude, Hochstimmung und die Gewissheit, dass das Leben lebenswert ist – und dass es einen Gott geben muss, wenn es solche Musik gibt. Diese Wärme empfinde nicht nur ich als Nigerianer – es ist beeindruckend zu sehen, dass auch Zuhörer*innen auf der ganzen Welt sie spüren.
DJ: Strahinja Arbutina
Sendung: Low Income $quad (u.a. Trance, Club, Hardstyle, Happy Hardcore, Euro House.)
Es ist die einzige Plattform, die es allen Arten von „Sonderlingen“ (mich eingeschlossen) ermöglicht, ihre eigene Vision von Musik zu präsentieren und gleichzeitig über eine ausreichend große Reichweite verfügt, um die Wahrnehmung von Musik weltweit nachhaltig zu verändern. Die Sendung, die ich moderiere, würde in einem weniger toleranten Umfeld kaum einen Platz finden. Das Thema meiner Sendung ist in der Regel immer dasselbe: Ich behandle verschiedene Aspekte der neuesten Welle von Produktionen– also Musik von lateinamerikanischen Produzent*innen, Musik aus der Queer-Community und generell Musik, die sich abseits der ausgetretenen Pfade bewegt und oft ungeschliffen und musikalisch brüchig ist. Ich habe das Gefühl, dass diese Tracks bei NTS ins Rampenlicht gerückt werden und einen Einblick in eine andere Szene geben, die man nur findet, wenn man danach aktiv sucht.
Ich liebe Momente, in denen ich merke, dass meine Sendung beispielsweise parallel zu einem Live-Stream einer Meeresorgel in Kroatien läuft. Das kann nur NTS.
DJ: Ashley Wales
Sendung: Westward Ho! (Klassik)
Ich habe das Radio als Medium schon immer geliebt und es hat mir immer Spaß gemacht Radiosendungen zu machen und daran teilzunehmen. „Westward ho!“ war eine großartige Gelegenheit, CDs aus meiner Sammlung klassischer Musik zu spielen, insbesondere Repertoire aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Meiner Meinung nach ist klassische Musik für alle da und nicht nur für die Elite. Man muss sich ihr nur mit einem offenen Mindset und offenen Ohren nähern.
DJ: Bitter Babe
Sendung: Obsidian Dreams (Electronica, Ambient, Ambient Techno, Cloud Rap, Trap usw.)
Ich habe diesen Namen wegen des Steins (Obsidian) und seiner Bedeutung gewählt. Es ist ein Stein mit schützenden Kräften, insbesondere vor negativer Energie. Obsidian absorbiert sie und genau das wollte ich mit meiner Sendung erreichen. Der Teil mit dem Traum kommt wohl daher, dass ich die ätherische, verträumte Seite der Musik mag und das findet sich auch häufig in meinen Zusammenstellungen wieder.
DJ: La Cosecha Internacional
Sendung: La Cosecha Internacional (Corrido, Rancheras, Norteño, Rhythm and Blues, Nueva Cancion usw.)
Eduardo Arenas von Chicano Batman hat den Namen La Cosecha aus einer Liste mexikanischer Corridos ausgewählt, die ich zusammengestellt hatte. Später habe ich „Internacional” hinzugefügt, weil ich mich daran erinnere, dass Don San Francisco von Sabado Gigante diesen Ausdruck mindestens zehn Mal pro Folge verwendete.
Alles muss wahrhaftig sein und darf keine Angst machen. Die Menschen, die zuhören, haben ihr Leben und das ist nicht immer perfekt. Warum sollte also meine Songauswahl perfekt sein? Nicht immer schön, aber immer menschlich.
DJ: Rory Bowens
Sendung: The Slip (Soul, Trip Hop, Leftfield Pop, Straight Jazz, Lovers Rock usw.)
Der Name meiner Show war die Idee meiner ehemaligen Co-Moderatorin Emma, als wir die Sendung noch bei einem Universitätsradiosender in Galway, Irland, gemacht haben. Sie ist ein großer Fan von Nine Inch Nails und hat die Show nach einem ihrer Alben benannt. Meine Show hat normalerweise kein bestimmtes Thema, aber alles passt zu einem bestimmten Gefühl, das ich über die Jahre dafür entwickelt habe. Die meisten meiner Songs finde ich auf meinem Handy, während ich mit dem Bus zu meinem Tagesjob in Dublin fahre.
Was ich an NTS liebe ist, dass man zufällig einschaltet und ein*e Moderator*in einem Song spielt, der einen für den Tag umhaut. Das ist mir kürzlich passiert, als ich Music 4 Lovers Dedicate All My Love von Raw Soul Express in The Early Bird Show gehört habe.
DJ: Mark Leckey
Sendung: Abundance Dump (Noise Rock, Experimental, Rap, Punk, Hyperpop, Breakbeat Hardcore usw.)
Ich habe eine Zeit lang Mark Leckeys „Abundance Dump” ausprobiert. Die letzte Sendung, die ich gemacht habe, hieß „Stochastic Oscillator”. Aber selbst ich finde das lächerlich. Ich mache die Sendung aus purer Liebe. Es ist eine Berufung für mich. Die Möglichkeit, einen regelmäßigen Slot bei NTS zu bekommen, hat meine Liebe zur Musik wiederbelebt. Vorher war ich auf dem Weg zu dem unvermeidlichen Punkt, an dem man denkt, dass neue Musik einfach nicht mehr das ist, was sie einmal war, usw. NTS hat mich vor dieser Hölle bewahrt.
DJ: Como La Flor
Sendung: Como La Flor (Bossa Nova, Bolero, Latin Soul, Cumbia, etc.)
NTS ist für mich eine weltweite Gemeinschaft von musikbegeisterten Menschen. Ein Ort, an dem man Musik entdecken und hören kann, in dem Wissen, dass sie von Menschen mit Hingabe, Liebe und nuancierten Emotionen und nicht von Algorithmen ausgewählt und präsentiert wird.
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Dieser Text erschien ursprünglich auf Englisch in 032c.
- Images
Cover: Adeyemi ran a blog called Nuts to Soup from 2008 to 2010. The name comes from a Simpsons episode, where Homer confuses the saying “soup to nuts,” meaning beginning to end.
Fig.1/2 NTS Radio Hut Pics: Lauren Halo; Tirzah, Mica
Fig.3 Meme
Fig. 4/5 Chief Commander Dr. Dare Balogun, La Cosecha Internacional
Fig.6 Mark Leckey, credit Alessandro Raimondo