Arts Of The Working Class Logo

Gertraude Pohl

Artist profile

  • May 29 2024
  • Pauł Sochacki und Lizza May David
    Pauł Sochacki is publisher and founder of arts of the Working Class. Lizza May David is a transdisciplinary artist and lecturer at the Kunsthochschule Weissensee Berlin. She engages with omissions in personal and collective archives through abstract painting, installations, architectural interventions and collective works.

“In meinem zwischen den Staaten DDR und BRD zweigeteilten Arbeitsleben habe ich Übergriffe und Eingriffe in meine Arbeit an und mit Architektur und im öffentlichen Raum in vielen Varianten erlebt. (...) Mit der Privatisierung des in der DDR vergesellschafteten öffentlichen Raums, das heißt von Grund und Boden und vielen Gebäuden ab 1990, waren auch die entsprechenden Urheberrechte von Künstlern an Werken architekturbezogener Kunst außer Kraft gesetzt, einschließlich aller bislang geltenden berufsständischen und gesetzlichen Regelungen. Über Nacht verschwanden so Wandbilder, Plastiken und künstlerische Ausstattungen. Oder sie wurden bedenkenlos und zur Unzeit von neuen Eigentümern, auch von neuen Verwaltungen verändert, beschädigt und vernichtet. Es gilt der Grundsatz Eigentumsrecht vor Urheberpersönlichkeitsrecht […] Die gegebenenfalls von der Zerstörung ihres Werkes betroffene Urheberin muss darüber nicht einmal informiert werden.“

Aus: Gertraude Pohl. Das Mögliche hat seine Spur im Sein, Berlin 2024.

Die künstlerische Praxis von Gertraude Pohl zeichnet sich durch eine agile Synthese zwischen den vielfältigen gesellschaftlichen Bedürfnissen und Herausforderungen sowie dem breiten Spektrum an künstlerischen Traditionen und Techniken aus. Eine derartige Praxis braucht viele oft langwierig erkämpfte Freiräume, um zwischen Experimenten, Gestaltung aber auch dem unmittelbaren Gemeinwesen eine Balance zu finden. So entstanden vor allem in öffentlichen Räumen und in Gebäuden Arbeiten mit einer besonderen ästhetischen Sensibilität für die Nutzer*innen. 

Nach der Wende stand wie den meisten Künstler*innen aus der DDR auch Gertraude Pohl vor ungeahnten Schwierigkeiten, wusste aber gleichzeitig auch hier zwischen ihrer bisherigen Arbeit und den neuen Rahmenbedingungen eine Brücke zu schlagen. Im neuen, stärker vereinzelten Arbeitsmodus einer Freiberuflerin arbeitete sie, wo möglich, initiativ mit Kolleg*innen an kollektiven Aktionen und Ausstellungen und schaffte Ausdruck und Räume für brennende Fragen im gemeinschaftlichen Bewusstsein des Umbruchs. Beispielsweise initiierte sie die Aktion Berli ud Brandenburgischer Künstler*innen "Künstler zeigen Flagge” auf dem Alexanderplatz vom 27.9.1991 bis 24.10.1991. So gelang es ihr, ein historisches Bewusstsein zu schärfen und es selbstbewusst gegen die Eliminierung von Kunstwerken im öffentlichen Raum einzusetzen. 


Aktuelle Ausstellungsbeteiligung in: Echos der Brüderläder, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, bis zum 20. Mai, 2024. 

 

\\

COVER: Gertraude Pohl, StadtKunstAktion Künstler zeigen Flagge, 1991. Foto and © courtesy of the artist. 

Cookies

+

To improve our website for you, please allow a cookie from Google Analytics to be set.

Basic cookies that are necessary for the correct function of the website are always set.

The cookie settings can be changed at any time on the Date Privacy page.